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Kategorie Etappe 22 – von Witten nach Bochum

Von Dortmund nach Witten

Dienstag, 25. Mai 2010

Szenen einer Ehe

Wie ist es, wenn man sich für einen guten Zweck auf eine Wanderung begibt, zusammen mit zwei Menschen, denen man noch nie zuvor in seinem Leben begegnet ist?
Die Frage habe ich mir auch gestellt und tatsächlich darauf eine Antwort be-kommen.

Aber erstmal alles auf Anfang:

Ich bin Jessica und komme aus Münster. Ursprünglich hatte ich mir die Etappe von Beckum nach Ahlen vorgenommen, aber es ist leider etwas dazwischen ge-kommen. Aber jetzt stand es fest. Am Pfingstmontag sollte ich um 10 Uhr 30 am Bahnhof Dortmund-Derne sein, zum Start „meiner“ Etappe der „Inwendigwarm“-Wanderung 2010.
Im Zug hat mich Hape Kerkeling auf mein bevorstehendes Abenteuer einge-stimmt und von 30 Kilometer langen Wanderungen in glühender Hitze erzählt. Der Arme, hoffentlich geht dieser Kelch an mir vorüber. Herr Kerkeling hat sich redlich bemüht, mir die Nervosität zu nehmen. Ob es nun an ihm lag oder an mir, so ganz ist es nicht gelungen. Aber gut, ich hatte es ja so gewollt. Kilome-terweit mit zwei Fremden durch die Pampa latschen, wer macht denn so was? Phantasien von ‚Füße hochlegen’, ‚DVD gucken’ und ‚Eis essen gehen’ gingen mir durch den Kopf. Oh Mist, schon da, die Deutsche Bahn ist ausnahmsweise mal pünktlich. Ausgerechnet heute! Sch…ade. War eigentlich ganz nett, hätte noch Stunden so weiter fahren können.
Na gut, nutzt ja alles nichts: Ausstieg in Fahrtrichtung rechts und da kommt auch schon das Portamobil angerauscht. Die Begrüßung fällt herzlich aus und ich steige ein. Es geht los zum Etappenstart.
Unbemerkt von der Öffentlichkeit machen wir uns auf den Weg. Oder war es anders herum und nur wir haben die Öffentlichkeit nicht bemerkt?
Durchaus möglich, denn aus den anfänglichen höflichen Fragen „was machst du beruflich“ und „wie bist du auf uns gestoßen“ entwickelt sich ein intensiver Aus-tausch. Wir reden, und reden, und reden, und…
Also, ich will natürlich keinen falschen Eindruck erwecken. Gewandert sind wir nebenbei natürlich auch. Ehrlich! Schließlich habe ich eine Blase auf dem kleinen Zeh und die muss ja irgendwo hergekommen sein. Aber richtig viel davon mitbe-kommen habe ich nicht.
Und Landschaft! Ja, die war auch da. Es existieren sogar Beweisfotos! Mindes-tens zwei! Von jeder P…Pause eins. Aber sonst blieb uns keine Zeit, uns ausführ-licher mit der wirklich wunderschönen Natur rings um uns herum zu beschäfti-gen.
Wie gesagt, wir waren anderweitig beschäftigt.
Über Gott und die Welt haben wir gesprochen und selten war dieser Satz so wahr wie an diesem Tag. Es ging um Lebensaufgaben und Berufungen, Fußball und Farben (grün is’ auch schön, Roland), Alpakas und Delfine und über Elton John im Trainingsanzug. Wir haben diskutiert über das Wesen unserer Gesellschaft, den individuellen Glauben, über besondere und behinderte Kinder und über die Frage, ob der Begriff „Negerkuss“ politisch korrekt ist oder es doch „Schaumküsse afro-amerikanischer Herkunft“ heißen muss.

Aber die Überschrift der heutigen Etappe heißt ja eigentlich „Szenen einer Ehe“. Warum das so ist, kann sich wahrscheinlich jeder denken, der Arnold und Roland schon einmal in Aktion erlebt hat. Beide sind mit wirklich beeindrucken-den kommunikativen Fähigkeiten ausgestattet. Ein ums andere Mal setzte bei letzterem die Schnappatmung ein, wenn ihm kein Konter zu Roland mehr einfallen wollte. Mir persönlich gingen dabei Bilder von Balkonen, Herren mit angegrauten Schläfen, tanzenden Puppen und Schweinen im Weltall durch den Kopf. Aber jede Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen ist natürlich nicht gewollt und rein zufällig! Wie lange die beiden wohl schon verheiratet sind?

Eine matschige Banane und neun „Schaumküsse“ später haben wir unser Etappen-ziel erreicht. Die Currywurst unterbricht unseren Redefluss. Nur kurz, natürlich. Aber unser Ausflug neigt sich trotz allem dem Ende entgegen. Rolands Frau Sylvie holt uns ab und bringt mich noch schnell zum Bahnhof. Auf nach Hause, schade (dieses mal wirklich)!

Und? Wie ist es jetzt, wenn man sich für einen guten Zweck auf eine Wanderung begibt, zusammen mit zwei Menschen, denen man noch nie zuvor in seinem Leben begegnet ist?
Es ist, als würde man einen kleinen Nachmittagsspaziergang machen mit zwei gu-ten Freunden an der Seite.

Sylvie, danke für`s Abholen und die Bestätigung der Erkenntnis, dass Frauen eben doch die besseren Autofahrer(innen) sind. („Schatz, das Navi hat gesagt…“ „Ich fahre!“)

Roland, danke für die tiefen Einblicke in Herz und Seele eines echten Ruhrpott-Fussballfans. (Es lebe Borussia Mönchengladbach!)

Arnold, danke für „meine“ Etappe der „inwendigwarm“-Wanderung 2010, für dei-ne Begeisterung, deine Wärme und deine Zuversicht.

Viele Grüße,
Eure „Außenstelle Münster“.