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Kategorie Etappe 26 – von Ratingen nach Meerbusch

Von Ratingen nach Meerbusch

Sonntag, 30. Mai 2010

26. und letzte Etappe „inwendig warm 2010“ Ratingen/Meerbusch
Der Tag begann für unseren Oberfarmer ungewohnt früh, mussten wir doch zeitig die Federn verlassen, wenn wir alles rechtzeitig erledigt haben wollten. Er hielt sich tapfer.
Nach einem schnellen Frühstück verteilten wir uns auf drei Autos, fuhren nach Meerbusch, parkten dort das gelbe Blechle mitsamt den Tombolapreisen, ließen Heinz uns Moni ebenfalls dort zurück und sausten zurück nach Ratingen. Schließlich waren wir dort doch bereits um 11 Uhr mit Familie Kleinrahm von der Aktionsgemeinschaft für Behinderte in Ratingen verabredet. Eingeladen hatte heute der Heimatverein der Ratinger Jonges, die liebevoll den „Dicken Turm“ restauriert haben. Dieser war nun Ziel und Attraktion. Wir wurden zur Besichtigung eingeladen, ich fand das „Dickerchen“ wirklich spannend, allein die Wandstärke beträgt 3,50 Meter!
Im Anschluss gab es noch lecker Bratwurst und Frikadelle und die ersten Vermisstenmeldungen für uns. Dabei war noch eine halbe Stunde über bis zum Start am Rathaus. Aber auch die verflog in rasender Geschwindigkeit, wir trafen am Rathaus die extra angereisten Farmer Silvie und Roland aus Dortmund und Lisa, Jochen und Jenny aus Hamburg und marschierten los.
Die Route führte quer durch Ratingen, immer der Rheinfähre in Kaiserswerth entgegen. Begleitet wurden wir von Werner Kleinrahm, der uns mit Streckeninfos fütterte und unermüdlich eine Mitfahrgelegenheit anbot, die wir aber alle ausschlugen. „..und führe mich nicht in Versuchung…!“
Leichte Verwirrungen gab es, als der Rad- und Fußweg an einer Brücke endete und nicht klar war, ob der Weg unterhalb oder über die Brücke weiter führte. Wir wählten den Weg über die Brücke, nur Jochen und Jenny marschierten unten. Als wir oben ankamen, sahen wir, dass die zwei versprengten Farmer auf dem Irrweg gelandet waren, endete der Weg doch direkt an den Bahngleisen, deren Überquerung nun doch extrem gefährlich wäre. Kurze Zeit später war die Gruppe wieder beieinander und konnte kurz darauf Klaus mit seinem Elektroscooter begrüßen. Er war mit dem Bus vorweg gefahren und erwartete uns am Wegesrand.
Zusammen wanderten und rollten wir, nach einer kleinen Stärkung an der Eisdiele, zur Rheinfähre. Dort wurden wir bereits von unserer Gütersloher Außenstelle, personifiziert durch Tina und Torben, und einer großen Gruppe bestehend aus Mitgliedern der Werbegemeinschaft Lank-Latum (mit eigens für unseren Lauf hergestellten Shirts) und einem Sportverein erwartet.
Schnell war die Fähre geentert, die – viel zu kurze – Überfahrt genossen und der Rest der letzten Etappe in Angriff genommen. Die Sonne brannte vom Himmel und weil ich vorher die angebotene Sonnenmilch ausgeschlagen hatte, brannten mir auch Arme und Gesicht. Toll.
Die drei Kilometer waren schnell erledigt, ich ebenfalls. Ich wollte nur noch ankommen, Flüssigkeit – gehopft oder ungehopft – in mich einfüllen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.
Der Empfang, der uns auch in diesem Jahr bereitet wurde, war wieder grandios! Süße Cheerleader empfingen uns, die Kameras klickten, ich hatte Hochwasser in den Augen, Gefühlsachterbahn gab es auch gratis: einerseits froh, alles heil überstanden und zu einem guten Ende gebracht zu haben und auf der anderen Seite Fassungslosigkeit darüber, wie schnell dieser Monat vorüber und damit die Wanderaktion beendet ist.
Wie in einem Film rauschte alles an meinem inneren Auge vorbei: die Massen an Adressen von fleißigen Farmern aus den Tiefen des Internets gefischt, Papierberge, die unsere inwendig warme Botschaft verbreiten sollten, die Feier am 01. Mai, die – trotz aller Widrigkeiten im Vorfeld – doch noch stattfand und einfach wunderschön war. Die Etappen, die von inwendig warmen Begegnungen geprägt wurden, diejenigen Etappen, als wir alleine durch die Landschaften liefen. Regen, Sonnenschein, Wut, Enttäuschung, Freude, Fremde, Freunde, Gespräche, eisiges Schweigen. Das alles passt in vier Wochen. Wahnsinn.
Ich wurde aus meinem Kopfkino katapultiert, als Arnold mir Befehl erteilte, mit auf die Bühne zu gehen. Dort stand ich dann aber nur mehr oder minder dekorativ herum, weil Arnold sich nicht vom Mikrofon losreißen konnte. Gut so!
Moni und Tina bekamen – stellvertretend für alle HelferInnen – einen Blumenstrauß von unseren Kids überreicht. Alle mit Blümchen zu beschenken, würde bedeuten, ein eigenes Treibhaus in Holland zu betreiben. Arni machte noch Werbung für den Laternenlauf und endlich, endlich konnte die Party steigen.
Auch Natalie und ihre Mutter waren, wie versprochen, angereist um mit uns zu feiern. Ich hoffe, wir sehen uns im nächsten Jahr wieder!
Es gab einige bittere Mienen, als Fabians Pfesel und Eisbär aus dem Rolli gestohlen zu sein schienen. Wie schlecht ist die Welt? Gar nicht so schlecht, die Biester waren nämlich doch im Beutel versteckt. Leider habe ich das erst heute bemerkt.
Arnold machte sich mit Nico, Klaus, Jochen, Lisa und Jenny aus dem Staub und erlebte auf der Bahnfahrt zurück zum PORTA!-Mobil noch einige sozialbehinderte Menschen und Aufzüge. Aber das soll er selbst berichten.
Moni, Heinz, Fabian und ich waren – trotz späteren Aufbruches – viel früher zurück und genossen bereits den Feierabend, als der Oberfarmer dann total abgekämpft eintrudelte. Die Nacht wurde noch bis in den Morgen hinein verlängert und einige Biere zur Stärkung getrunken.
Das war also „inwendig warm 2010“ – es war schön und schrecklich. Manchmal auch schrecklich schön.
„Mach´s noch einmal, Sam…“ Echt jetzt? Muss ich wirklich?
Gestern hätte ich es strikt verweigert, heute freue ich mich schon. Ich freue mich auf „inwendig warm“ im Jahr 2011!

29. Mai 2010

Um vier Uhr früh war die Nacht für mich zu Ende. Ich weiß nicht ob es an der Aufregung lag oder doch eher an dem viel zu kleinen Sofa auf dem ich erwachte.

Gegen halb Neun saßen wir dann gemeinsam auf besagtem Sofa, Tee und Kaffee reichlich vorhanden und schmiedeten Pläne für die Route nach Ratingen.
Würden wir es schaffen pünktlich am Rathaus zu sein? Ein Blick auf die Verkehrsnachrichten ließ uns ahnen: noe.

Also noch mal den Routenplaner gezückt und den schnellsten und stauärmsten Weg zum Fähranleger gesucht. Noch ein Tee (der Kopf funktioniert einfach nicht zu 100% wenn nicht genug Tee durchgelaufen ist) und los! Frühstück fiel aus – wir hatten ja nun Zeit um noch vor dem Treffen um 14:30 Uhr auf dem Weg einzukehren und zu essen. Den Hund gut im Auto verpackt konnte es losgehen zur letzten Etappe von „Inwendig warm 2010“. Einfach nicht zu glauben das schon ein ganzes Jahr vergangen war, seitdem wir das letzte mal in Meerbusch waren.
Auf dem Weg zur Autobahn kam uns der Gedanke, dass es bestimmt gar nicht auffallen würde, wenn wir nicht unter den vielen Wanderern sein würden. Arnold und Jessica waren sicher von Menschen umringt, viele Freunde und Unterstützer würden wieder dabei sein. Ging es nicht eigentlich mehr darum, Aufmerksamkeit für Menschen mit Behinderungen und deren pflegende Angehörige zu wecken als um das eigene Ego?

Aber auch wir konnten uns nicht davon frei sprechen, dass es einfach ein tolles Gefühl ist, bei einer so wunderbaren Aktion dabei zu sein. Kaum auf der Autobahn klingelte das Handy: „Wann seid ihr hier?“ meldete sich Jessica. Und da war es wieder, das unbeschreibliche Gefühl von inwendiger Wärme, dass man nicht erklären kann und das einen vor Glück zu Tränen rührt.

Trotz Staus auf dem Ruhrschnellweg – der seinen Namen definitiv nicht verdient – erreichten wir noch vor den Farmern, aber doch ohne Frühstück, den Fähranleger in Kaiserwerth. Mit pochendem Herzen standen wir auf dem Parkplatz und warteten. Doch niemand kam. Ein Blick rüber zum Rhein verriet uns warum wir vergeblich warteten. Die Wanderer rund um Arnold waren direkt am Fluss entlang gewandert. Schnell zum Auto und bis zum Wasser gefahren und mit dem besten Timing des Tages kamen Arnold hinter Nico, Jessica mit Fabian, Klaus, Jochen mit den „weiblichen Wildten“, die diggen Freunde Roland und Sylvie zeitgleich mit uns am Fähranleger an. Es ging direkt auf die Fähre und wie aus dem Nichts waren auch die Mitwanderer aus Lank Latum dabei. Diesen tollen Menschen gilt übrigens noch mal ein extra Danke schön, denn wie schon im letzten Jahr hatte die „Werbegemeinschaft Rund um Lank Latum e.V.“ ein super tolles Fest mit viel Live-Musik, Essen und Trinken zum Abschluss der Tour organisiert.
Einer der Mitwanderer war Stefan. Auch ihn hatten wir schon im vergangenen Jahr in Meerbusch getroffen, wo er mit uns gefeiert hatte. Diesmal wollte er die letzte Etappe mit uns gehen. Toll! Stefan enthob mich dann auch direkt von der ungeliebten Pflicht meinen Hund Amy an der Leine zu führen. Ein klein wenig mulmig war mir schon, als ich ihm einfach so die Hundeleine übergab. Amy ist nämlich wahrlich kein wohlerzogener Hund. Mitnichten, sie zieht und zerrt an der Leine, rennt rechts und links im Zickzack und man braucht immense Kraft um das 20-Kilo-Tier zu halten. Nicht so Stefan. Mein Hund trabte genügsam neben ihm her und die sture Ziege in Hundegestalt zeigte sich als vorbildlicher Hund.
Ca. 1 km vor dem Ziel wurden wir von Jörn und Rebecca vom Physiotherapiezentrum am Wasserturm gemeinsam mit Rebeccas Eltern Heinz und Moni erwartet und Rebecca verteilte an jeden eine Pfeife, damit wir angemessen und mit viel Tamtam durch das Ziel gehen konnten. Da kam das schöne Gefühl, an etwas Tollem beteiligt zu sein, wieder.
Kurzes Begrüßungsgeknuddel und weiter ging’s!
Was uns dann allerdings in der Fußgängerzone erwartete überstieg jede Vorstellungskraft. Ein großer Bogen mit Luftballons war als Zieleinlauf aufgebaut hinter dem uns viele liebe Menschen freudig erwarteten. Rechts und links vor dem Zieleinlauf feuerte uns eine Gruppe Cheerleader wie Stars an.

Und wieder, wie im letzten Jahr hatten wir Tränen in den Augen (war aber nicht schlimm, denn die schlaue Frau baut vor und trägt 2010 Sonnenbrille).
Natürlich musste Arnold, der Initiator, auf die Bühne um sich artig bei allen Helfern zu bedanken und ein bisschen Werbung für den Laternenumzug im Oktober zu machen. Ich glaube jeder Wanderer, der nicht auf die Bühne musste war dankbar. (PS. inwendig warme Grüße an dich, Arnold).
Danach gab’s (endlich) lecker Bratwurst und Flüssiges und richtig coole live Musik. Also: Party Party Party!

Wir sehen uns nächstes Jahr, getreu dem Motto „Nach der Wanderung ist vor der Wanderung.“ und „Eine Wanderung ist nass und dauert 600 Kilometer.“ wieder.