Inwendig warm 2018, Tag 10, „on the road again“

Mein kleiner Sohn,
Du hast die Liebe in mir geweckt,
zu Menschen, die ein wenig anders sind.
Ohne Dich wäre ich unendlich arm geblieben. 

Das, was ich heute anderen geben kann,
(wenn ich überhaupt etwas geben kann)
wäre nicht denkbar ohne Dich.
Es ist Deine Melodie,
die in mir klingt und nie mehr von mir wich.
 

Und meistens sagt man erst zum Schluss,
w
as man verdeckt in tausend Varianten schrieb:
wenn ich an meinen Jungen denken muss,
dann denk ich stets
ach Gott, hab ich ihn lieb

Ich starte heute in Wilsnack. Es ist bereits 13 Uhr. Ich komme heute einfach nicht in die Puschen. Noch immer liegt ein bisschen Schnee auf dem Boden. Aber mit jedem Schritt wird die Schneedecke dünner, bis sie völlig verschwindet und klebrigem, nassen Boden weicht. Aber der Himmel meint es gut mit mir. Strahlend blau mit einzelnen Cumuluswölkchen. Ein richtiger Ostpreußenhimmel.

Im Radio habe ich von den heutigen Ostermärschen gehört. Die Leute gehen auf die Straße. Wunderbar! Gegen Krieg und Aufrüstung. Diese Verlogenheit aus angeblich humanitären Gründen überall mitmischen zu wollen. Besser, das Geld in die Bildung stecken. So ist es richtig! Dennoch werde ich wieder ein bisschen traurig. Die Pflegenden und zu Pflegenden werden wieder einmal nicht genannt. Nicht einmal gedanklich erhalten sie ein Stückchen dieses dann zur Verfügung stehenden Kuchen.

Frau von der Leyen ist doch Ärztin. Wäre sie nicht genau die Richtige für den Posten der Gesundheitsministerin? Ihre Sätze: „Wir müssen mehr Verantwortung übernehmen. Wir brauchen mehr Geld.“ Das käme doch gut an.

Und Jens Spahn hätte auch gute Sprüche drauf, wäre er der neue Kriegsminister: „Die Bundeswehr ist kein Vollkaskounternehmen und – Aufrüstung , das ist doch Wunschdenken! Mehr Eigenverantwortung!“ Ach, wäre ich doch bloß Bundeskanzler 🙂

Und die Gesellschaft? Sie hat noch immer mehr Angst davor, dass die Russen kommen. Die Furcht vor durchgeknallten Islamisten scheint größer zu sein, als die viel konkretere Angst vor dem Siechtum im Alter. So verschieben sich die Prioritäten und die Pflege rutscht auf den Relegationsplatz.

Wir haben einen Pflegenotstand. PflegeNOTstand! Aber es geht aufwärts. Der Gesundheitsminister hat bereits Ostereier und Goldhäschen an das Pflegepersonal verschenkt. Und das fehlende Personal holt er einfach aus dem Ausland. Die brauchen das dort ja nicht.

Wird aus dem Saulus nun ein Paulus? Wurde er erleuchtet oder hat er einen neuen Imageberater? Oder hält er uns schlicht und einfach für bescheuert? Fragen über Fragen …

Während Herr Spahn händeschüttelnd durch die Krankenzimmer eilt, wurden soeben die Zuzahlungen für Medikamente erhöht. Bleibt zu hoffen, dass an den Tafeln bald abgelaufene Tabletten ausgegeben werden.

Ich lese von den Bestrebungen der GroKo. Breitband, Funklöcher … Alles wichtig, alles gut. „Ein Dobrindt scheitert nicht“, sagte einmal sein Chef. Das lässt hoffen. Ich wünsche mir, dass sich die Prioritäten wieder in die richtige Reihenfolge verschieben.

Aber das geht nur MIT EUCH. Freitag, 6.4. 2018, 16 Uhr Friedrichstraße Ministerium für Gesundheit!

Wir haben ein Heimatministerium. Leider haben wir noch kein Pflegeministerium.

Ich möchte Euch gern den berührenden Text eines Freundes veröffentlichen. Wieder geht es um Liebe. Um die Liebe eines Vaters zu seiner Tochter:

„Es gibt zwei Sätze, die immer wieder in meinem Kopf kreisen. Jeden Tag mehrfach. Dutzendfach. Hundertfach.

Etwa ein halbes Jahr nach Karlas Geburt war klar, dass sie sich nicht normal entwickelt. Das Wort „Behinderung“ fiel zum ersten mal. Die Schockreaktion, die man von uns erwartete, blieb zur Verwunderung der Ärzte aus. Ok, dann haben wir jetzt ein behindertes Kind. So what? Als Karla älter wurde, drängte man uns mehr oder weniger dazu, sie eingehend zu untersuchen. Damit die „Krankheit“ auch einen schönen lateinischen Namen bekommt, so empfanden wir es. Damit man ihr helfen kann, sagten die Ärzte. Die Chance wollten wir natürlich nutzen. Also verbrachte ich mehrere Tage mit ihr in einer Klink. Diverse Untersuchungen wurden angestellt. Eine Tortur für uns alle, vor allem für Karla. Wochen später hatte ich einen Termin beim Kinderarzt. Ergebnis der Untersuchung: der lateinische Namen für Karlas Krankheit war gefunden. Ich hatte den noch nie gehört. Und nein, eine Heilung oder Therapie dafür gibt es nicht. Das einzige, was ich den Kinderarzt dann noch gefragt habe: „Aber sie kann damit alt werden, oder?“ Er überlegt eine Weile, starrt in seinen Bildschirm und meint: „Sehen Sie es so…. Sie müssen sich keine Gedanken machen, was mit ihr geschieht, wenn Sie mal nicht mehr da sind“. Es dauerte einen Moment, bis mir klar wurde, was das bedeutet. Dieser Satz kreist seitdem permanent in meinem Kopf. Ich werde also mein Kind eines Tages sterben sehen.

Den anderen Satz hatte ich in einer Buchbesprechung gehört, in der eine junge Frau beschreibt, wie sie mit ihrer behinderten Schwester aufgewachsen ist. Ich kann mich nicht mehr an Details erinnern, ich meine die Schwester hatte die gleiche Krankheit wie Karla. Oder zumindest ähnliche Symptome. Nur ein Satz hat sich mir eingebrannt, wie die junge Frau über ihre Schwester erzählte: „Eines Morgens lag sie tot im Bett“. Dieser Satz schießt mir jeden Morgen auf dem kurzen Weg zu Karlas Schlafzimmer durch den Kopf. Hundertfach. Bis ich durch den Spalt in der Tür sehe, sie bewegt sich, es geht ihr gut. Heute ist noch nicht der Tag. Aber eines Tages wird er kommen.“

Eine Antwort auf „Inwendig warm 2018, Tag 10, „on the road again““

  1. Die Liebe des Vaters kann ich gut nachvollziehen, ich habe das Glück, dass ich als Vater eines verunfallten Sohnes in Richtung Leben schauen darf, was Karla und ihrem Vater wohl leider nicht vergönnt ist. Deshalb wünsche ich ganz viel Kraft für den sehr traurigen Weg!

    Die Irrenhaus-Politik rückt angesichts dieser Geschichte an die Seite, aber sie wird uns schon bald „ALLE“ einholen.

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