Inwendig warm 2018, Tag 12, „Schwein gehabt …“

Wenn du denkst, wir können diese Welt nicht verändern,
bedeutet das nur, dass du nicht einer derjenigen bist,
die es tun werden.
Jaques Fresco

 

Der Himmel meint es heute ausgesprochen gut mit mir: strahlend blau und die Sonne hüllt mich in Wärme ein. Dann humpel ich los. Gestern habe ich mir eine Blase auf dem kleinen Zeh eingefangen. So spüre ich wenigstens, dass ich noch lebe.

Wie gewohnt hört der Radweg unvermittelt auf und ich muss auf der Fahrbahn weiterziehen. Heute sind die Autofahrer ausgesprochen ekelhaft zu mir. Wollen mich wohl platt fahren. Vielleicht von Herrn Spahn gekauft?
Eine Verschwörungstheorie nimmt seinen Anfang.

Es drängt mich mal wieder in den Wald. Hier habe ich meine Ruhe, der Weg ist zwar beschwerlich, aber ich spare mindestens einen Kilometer. Und eine Blase ist völlig ausreichend. Ich erreiche eine kleine Lichtung und bleibe wie angewurzelt stehen. Habe ich mich auf dieser Tour doch stets über Wölfe belustigt, wenn ich tapfer durch die Wälder schlich. Und jetzt habe ich den Salat!

Vier ausgewachsene Wildschweine pflügen vor mir den Boden um. Ich weiß nicht viel über Wildschweine, nur, dass sie gut rennen und Knochen blitzeblank putzen können. Deshalb sollte man zu Hause auch immer seine Haare in der Bürste lassen, um den Datenabgleich mit dem gerichtsmedizinischen Institut zu erleichtern.

Ich wage kaum zu atmen, knipse aber nervenstark noch schnell ein Foto. Ich hoffe, es wird nicht das Letzte in meinem Leben. Die Tierchen werden beim Klicken der Kamera unruhig. Ich auch. Obelix hat ja immer eines dieser possierlichen Tierchen in seinem Handgepäck zum Frühstück für den kleinen Hunger nebenbei. Aber der ist auch in Zaubertrank gefallen. Ich schaue mich nach einem geeigneten Baum um. Wildschweine können nicht klettern. Ich allerdings auch nicht.

In meinem Kopfkino höre ich mich schon bei Herrn Spahn anrufen. Das Date müssen wir verschieben, weil – ich sitze auf einem Baum. Aber die Tiere nehmen keine Notiz von mir. Das wirkt sich ungemein günstig auf meine seelische Robustheit aus. Lediglich die Schweißdrüsen spielen verrückt. Ich möchte diesen sympathischen Waldbewohnern gern zurufen – „ich komme in friedlicher Absicht und ich gelobe, nie wieder Wildschweingulasch zu essen.“ Ich halte aber lieber den Mund und  entscheide mich für den geordneten Rückzug. Ganz langsam, ganz leise und vor allem ganz vorsichtig gehe ich Schritt für Schritt rückwärts. Ich weiß auch, dass man in solcher Situation schnell hinfällt.

Als die Lichtung außer Sicht kommt, drehe ich mich  um und strebe zügig wieder die Straße an. Lieber renitente Autofahrer, als renitente Wildschweine. Ich bin klitschnass geschwitzt, als ich wieder an der Straße ankomme.

Puh! Nochmal Schwein gehabt! Das Hemd werde ich wechseln müssen, aber die Hose glücklicherweise  nicht. Wenigstens habe ich mir meinen Humor bewahrt und das letzte Stück Würde.

Eigentlich wollt ich in diesem Bericht über unser Wohnprojekt „Nicos Farm“ erzählen. Aber noch unter dem Eindruck stehend, den Edelstahltisch von Prof. Dr. Karl-Friedrich Boerne näher kennenzulernen, verschiebe ich diesen Beitrag auf morgen.

Und hier der Ablaufplan für Berlin:
Freitag, 6.4. 2018
Ankommen um 15 Uhr in Berlin, Brandenburger Tor
Freunde, Betroffene, und Pressevertreter werden vor Ort sein.
Anschließend gehen wir gemeinsam in die Friedrichstraße zum Bundesministerium für Gesundheit. Dort findet eine Kundgebung statt und
ggfs. eine Demo.

Samstag, 7.4. 2018
Treffpunkt am Brandenburger Tor mit zahlreichen Freunden
Informationen wg. Veranstaltung etc. gibt es leider noch nicht

Vielleicht mag noch jemand etwas arrangieren

 

2 Antworten auf „Inwendig warm 2018, Tag 12, „Schwein gehabt …““

  1. Weiter so und danke! Ich hoffe, dass morgen so einige PA und auch beruflich pflegende bei dem Treffpunkt als Empfangskommittee bereit stehen. Würde es mir jedenfalls wünschen.

    Wie auch immer es wird, danke für den tollen Einsatz – und die humorige Blogbegleitung.

    Liebe Grüße Wiebke

    PS Ich frage mich, ob Hr Spahn (wieso habe ich gerade bei Wildschwein ein Spahnferkel im Hinterkopf?) schon weiss, wie Du den Kaffee am liebsten trinkst.

  2. Mensch Arnold, du kannst mir aber nachträglich einen Bluthochdruck verpassen!
    Meine immer schon lebhafte Fantasie spielt mir ein Kopfkino vor, na danke! Und wie gut,dass es gut gegangen ist! Was deinem Mut zu danken ist. Wenn du die Zeit aufbringst; du wirst wohl noch ein Buch schreiben müssen,das dann ein Bestseller wird, ganz bestimmt.

    Und nun noch ein ausspruch ,den du vielleicht schon kennst? Trotzdem:
    „Es mag Zeiten geben,da wir gegen Ungerechtigkeiten machtlos sind,
    Aber wir dürfen nie versäumen, dagegen zu protestieren !
    ( Eli Wiesel )

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.