inwendig warm 2018, Tag 3, Einsamer Wanderer

Wenn für mich kein Tag mehr kommt
und es trennt uns der Horizont,
lehn dich an, weil mein Herz nicht schlagen kann,
wenn es dich nicht tragen kann.
Und ich schwör dir,
du wirst mir nie zu wenig.
ich gehör dir,
wenn nicht für immer, dann wenigstens ewig.
Eine Sekunde ohne dich geht nicht.
Wenn nicht für immer, dann wenigstens ewig.
Denn durch dich lebe ich – Ewig!
Maffay

 

Es ist lausig kalt. Heute geht es von Hamburg Bergedorf nach Lauenburg. Immer an der Elbe lang. Die Gruppe ist sehr überschaubar. Die kleinste Polonaise der Welt. Ein Wanderer mehr und wir könnten uns an den Händen fassen, einen Kreis bilden. So latsche ich einfach alleine los. Hat auch viele Vorteile: ich kann nach Herzenslust singen, La Paloma pfeifen – Klappskalli ist nicht bei mir. Er hält sich immer provokativ die Ohren zu, wenn ich singe. Meint stets, die ungesungenen Lieder sind die schönsten. Es ist auch preiswerter. Wenn wir im Sommer wandern, laufen wir immer von Eisdiele zu Eisdiele. Denn Nico frönt regelmäßig jubelnd seiner Leidenschaft für kulinarische Freuden. (siehe Foto)  Und an seinem äußeren Erscheinungsbild geht der Dauerappetit nicht spurlos vorüber. So ist es nicht schlecht, dass er wegen der noch kalten Jahreszeit in diesen Wandertagen lieber von seiner Mama versorgt wird. Allerdings ist es zu befürchten, dass sie mit Blaubeerpfannkuchen diesen günstigen Umstand mit ihrer Mutterliebe wieder zunichte macht. „inwendig warm 2018, Tag 3, Einsamer Wanderer“ weiterlesen

Inwendig warm 2018, Tag 2 „Komm, wir gehen mit der Flut …“

Und ist’s auch nicht ganz angenehm
und stünd ich ganz allein
Ich möchte wieder widerstehen
und weiterhin verwundbar sein.
Konstantin Wecker

 

Ein paar Gedanken:

Vergangene Woche rief mich eine alte Dame an. Sie war sehr verzweifelt und weinte. Ihre Tochter, 40 Jahre alt, sei Autistin, sagte sie. Sie lebt in einem Altenpflegeheim bei Hamburg. Weil ihre Tochter sehr umtriebig ist, werde sie nachts an ihr Bett gefesselt. Ohne eine richterliche Genehmigung. Das Personal ist völlig überfordert, denn nachts gibt es nur zwei Pflegerinnen für 50 Bewohner. Und die sind auch noch auf zwei Gebäude verteilt. Manchmal, so sagt sie, nässt sich ihre Tochter ein. Dann liegt sie stundenlang in ihren Ausscheidungen. Jeden Tag besucht sie ihre Tochter. Die Heimaufsicht möchte sie nicht einschalten. Sie befürchtet, Nachteile für ihre Tochter, denn das Heim hatte bereits damit gedroht, den Pflegeplatz zu kündigen. Dann wüsste sie nicht mehr, wie es weitergehen würde.
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Tag 1 von Hamburg nach Berlin, „ich bin dann mal weg“

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt
und der uns hilft, zu leben
Hermann Hesse

Von heute an stelle ich jeweils ein kleines Gedicht an den Anfang meiner Berichte, weil ich nicht nur mit geballter Faust meckernd nach Berlin ziehen, sondern auch auf die schönen und sinnlichen Dinge im Leben hinweisen möchte. Dinge, die wir so oft vergessen, sie nicht sehen, weil die Sorgen und Nöte uns den Blick versperren. Die Blüte am Wegesrand, der Sonnenblitz im Weinglas, sie alle wollen uns zeigen, wie wunderbar das Leben ist.

Heute war es auch wieder wunderbar: viele liebe Menschen sind gekommen, um mich zu verabschieden, mir Glück und Kraft zu wünschen. Ich möchte Mut machen, zur Empörung aufrufen: beschwert Euch! Wehrt Euch!
Aber auch Ihr macht mir Mut. So weiß ich, der oft an sich selber zweifelt, dass ich doch nicht so ganz bekloppt bin, wenn ich mir die Füße wund laufe.

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Ich biete Ihnen einen Praktikumsplatz an, sehr geehrter Herr Spahn:

Versorgen Sie einen Tag lang meinen Sohn!
Windeln, feuchte Tücher und Gummihandschuhe sind im Lieferumfang enthalten.
Sie sagen, wir sollten den Sozialstaat schätzen. Richtig! Machen wir auch. Vielleicht schätzen Sie nach einem Tag mit meinem Sohn sogar die Arbeit von pflegenden Angehörigen.
Morgen ist der Start auf dem Hamburger Rathausmarkt.
Geht pünktlich los. Fünf Minuten vor zwölf. Denn Zeit ist schon genug verschenkt.
Was ich noch sagen wollte: Wenn Sie mit ihm Essen gehen, geben Sie bitte nicht mehr als 4,27 € aus. Das ist er so gewohnt.

Wanderroute und Termine

24.3.  Rathausmarkt Hamburg  5 vor 12          Bergedorf                   18 km
25.3.  Sonntag – sonntags immer frei, keine Wanderung
26.3.  Bergedorf                                                           Lauenburg                  27 km
27.3.  Lauenburg                                                          Besitz                            23 km
28.3.  Besitz                                                                   Tripkau                          26 km
29.3 . Tripkau                                                                 Lenzen                          28 km
30.3.  Lenzen                                                                 Wittenberge              24 km
31.3.  Wittenberge                                                      Wilsnack                       17 km
01.4.  Sonntag – keine Wanderung
02.4.  Wilsnack                                                              Stüdenitz                     26 km
03.4.  Stüdenitz                                                             Friesack                       31 km
04.4.  Friesack                                                               Nauen                            27 km
05.4.  Nauen                                                                   Spandau                       25 km
06.4.  Spandau                                                              Brandenburger Tor  13 km
07.4. (hoffentlich) großes Treffen mit vielen Betroffenen und  Freunden vor
dem Brandenburger Tor

2018 – Es geht wieder los

Es ist wieder soweit: Anlässlich der Neuauflage der GroKo, unter Missachtung einer würdevollen Pflege in Deutschland, gibt es auch in diesem Jahr wieder eine „INWENDIG-WARM-AKTION“ 2018.

Wenn Nico lacht,
Ich weiß nicht, was ihn so glücklich macht,
Ich weiß nur, die Sonne geht auf, wenn Nico lacht,
Es klingt wie die Arie der Königin der Nacht,
es klingt wie Mozart,
wenn Nico lacht

(frei nach Reinhard Mey)

Und ich möchte, dass es so bleibt, dass Nico lacht. Die Pflege muss sich ändern, muss besser werden. Haben sie versprochen. Und deshalb ist Jens Spahn Gesundheits- und Pflegeminister geworden.

Ich komme mal auf einen Kaffee vorbei, Herr Spahn. Wir müssen reden!

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