Tag 1 von Hamburg nach Berlin, „ich bin dann mal weg“

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt
und der uns hilft, zu leben
Hermann Hesse

Von heute an stelle ich jeweils ein kleines Gedicht an den Anfang meiner Berichte, weil ich nicht nur mit geballter Faust meckernd nach Berlin ziehen, sondern auch auf die schönen und sinnlichen Dinge im Leben hinweisen möchte. Dinge, die wir so oft vergessen, sie nicht sehen, weil die Sorgen und Nöte uns den Blick versperren. Die Blüte am Wegesrand, der Sonnenblitz im Weinglas, sie alle wollen uns zeigen, wie wunderbar das Leben ist.

Heute war es auch wieder wunderbar: viele liebe Menschen sind gekommen, um mich zu verabschieden, mir Glück und Kraft zu wünschen. Ich möchte Mut machen, zur Empörung aufrufen: beschwert Euch! Wehrt Euch!
Aber auch Ihr macht mir Mut. So weiß ich, der oft an sich selber zweifelt, dass ich doch nicht so ganz bekloppt bin, wenn ich mir die Füße wund laufe.

Ich danke Euch dafür und grüße Euch herzlich. Herzliche Grüße möchte ich auch der sympathischen Polizeibeamtin senden, die mich sehr pampig ansprach, ob ich der Veranstalter dieser kleinen Gruppe sei. Nö, sagte ich. „Ich bin bloß der Wanderer und gleich geht es los“. „Sie hätten das anmelden müssen. So geht es ja gar nicht!“ Aufgeregt telefonierte sie nun mit ihrer Dienststelle, die dann auch gleich Verstärkung schickte. Da war ich aber schon mit den ersten Schritten auf dem Weg nach Berlin. Bedauerlicherweise ist es mir nicht eingefallen, Nico als Veranstalter zu benennen. Den Spaß hätte ich mir gegönnt. In Hamburg sagt man tschüss. Auf dem Rathausmarkt gelten andere Regeln, habe ich nun gelernt. Der Hamburger Rathausmarkt erlangt auch jedes Jahr im Oktober Berühmtheit, wenn wir unser traditionelles „Lichtermeer für Deutschlands behinderte Kinder“ feiern. Es ist der einzige Platz in der Republik,  auf dem es verboten ist, Laternen an behinderte Kinder auszugeben. So ist das eben in diesem Tor zur Welt.

Unser kleiner Tross zog dann über die Mönckebergstraße in Richtung Hauptbahnhof. Die Wasserwerfer der Polizei, die uns entgegenkamen, waren allerdings wegen einer Demonstration gegen den Völkermord an den Kurden in Afrin aufgefahren. Nicht wegen uns. Das hätte ich auch für ein bisschen überzogen gehalten.  Ein ganz herzlicher Abschied wurde Nico dann auch von Anni (siehe Bild) bereitet. Die lächerlichen 18 Kilometer nach Hamburg Bergedorf schaffen wir spielend.

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