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Der Camino, Tag 1

05.Sep.2015

Camino, Tag 1

Alle Reisen haben eine heimliche Bestimmung, die der Reisende nicht ahnt. Martin Buber
In aller Herrgottsfrühe aufstehen, um sich den Wandertrieben hingeben, ist mein Ding nicht. Mühsam wälze ich mich aus dem Bett. Ich weiß, der Tag wird anstrengend. Das waren die letzten beiden Tage auch, die wir in Santiago verbracht haben, damit Nico sich ein wenig akklimatisieren kann. Gestern Nacht haben wir uns im Bett gegenseitig festgewühlt. Alle paar Minuten zog er meinen rechten Arm heftig zu sich heran. Ausgerechnet der Arm, der an der Schulter hängt, die mich schon seit Wochen mit starken Schmerzen ärgert. Irgendetwas ist da im Gelenk verkalkt, rieselt vermutlich aus dem Kopf direkt auf die Schleimbeutel. Ich bedanke mich schon mal vorsorglich für die zu erwartenden freundlichen Ratschläge wie: „geh doch mal zum Arzt“ oder so… Weil ich nur bei einigen Bewegungsabläufen eingeschränkt bin, kann ich den Leidensdruck vernachlässigen. Zum Beispiel bereitet es mir heftige Schmerzen, wegen der notwendigen Drehbewegung etwas in ein Glas zu gießen. Na gut, trinke ich eben aus der Flasche.
Neben meinem Arm, hat es Nico auch auf meinen Kopf abgesehen. Er ist ein Haarfetischist und wühlt die halbe Nacht in meiner inzwischen in die Jahre gekommene Haarpracht, dass sich partiell die Kopfhaut von der Schädeldecke löst. Aua!
Zum Frühstück hat er mich auch aufgemischt. Milch oder Kakao durch die Gegend prusten ist ja obligatorisch und keiner besonderen Erwähnung wert. Frühstücken fällt bei ihm auch bescheiden aus. Aber heute bestand er darauf, in die auf der Anrichte liegende Knoblauchzwiebel zu beißen. Weil Volker und Doris aus kulinarischen Erwägungen heraus, diese Aktion möglicherweise nicht so appetitlich finden, schnitt ich ihm ein paar Zehen heraus. Eine davon versenkte mein Gourmet daraufhin in meinem Kaffee. Ich hatte zwar noch niemals im Leben Knoblauchkaffee getrunken, mühte mach aber redlich, meine Kaffeetasse wieder zu dekontaminieren.
Aber nun stehen wir endlich vor dem Rathaus von Triacastela. Schnell noch ein Gruppenfoto und ab geht die Post. Und die Post geht erst einmal bergauf. Volker, Chefkoordinator von Nicos Farm und seit Inwendig warm 2013 lieb gewonnener Freund, begleitet mich auf unserem Camino. Doris, seine Lebensgefährtin ist ebenfalls dabei. Volker übernimmt schnell Nicos Rolli. Unser Kindersanitätshaus, 4ma3ma, hat ihn für’s Gebirge fit gemacht. Mit extra dicken Radmänteln und einem speziell geländegängigen Vorderrad schiebt sich das Teil wie von selbst. Ok – bergauf nicht so. Und bergab mindestens genau so schwer, weil ein kleines dickes Kind, darin sitzend, beschlossen hat, uns das Leben möglichst schwer zu machen. Fröhlich lachend dreht es am Lenkrad, so dass wir aus der Spur geraten. Oder es bedient beide Bremsen, was durch die darauffolgende Kollision mit den Handgriffen zu schmerzhaften Hämatomen im Rippenbereich führt. Es dauert ein bisschen, aber dann kommen wir diesem Lümmel auf die Schliche. Durch leises in-sich-hinein-Kichern verrät er uns Sekunden vor der Aktion seine Pläne. Aber oft genug kommen diese hinterhältigen Attacken überraschend und chancenlos, rechtzeitig zu reagieren. Mein Strohhut, den ich ihm immer wieder wegen Schutz vor der Sonne aufsetze, landet regelmäßig im Straßengraben. Doris, die Gute, macht dieses von prustendem Lachen begleitete Spielchen leidenschafts- und kommentarlos mit und hebt die Kopfbedeckung einfach wieder auf.
Volker hat bereits alle Poren geöffnet. Es ist heiß und so läuft es aus ihm heraus. Es ist nicht schön, aber wir müssen auf dieser Etappe überwiegend auf der Landstraße unseren Weg ziehen. Gern würden wir, wie die anderen Pilger, die Feldwege nutzen. Unser Wanderführer festigt unseren Entschluss, die Asphaltpiste zu nutzen: „…Weg, der zunächst leicht bergab führt, dann aber als alter felsiger und steil abfallender Weg (für Radfahrer unmöglich….“
Letztendlich führen diese Wege aber auch immer wieder auf die Landstraße zurück. Endlich sehen wir einen kleinen, unscheinbaren Wegweiser, der uns wohl sorglos durch die Felder führen will. Nur „0,5 km“ in den nächsten Ort. Das klingt verlockend. So machen wir das! Bereits nach 100 Metern führt der Weg steil bergab. Volker und ich packen gemeinsam an, damit Nico nicht den unebenen Hang hinunter prescht. Auf dem letzten Stück ziehen wir sogar die Bremsen etwas an. Nico juchzt. Wir schwitzen. Endlich kommen wir unten an. Die Bar Espana kommt uns gerade recht. Das Bier ist süffig und wohlverdient. Ok, Ok, Nicos Eis ist auch verdient. Er musste uns ja auch aushalten. Kurze Zeit später erklären wir die erste Etappe für erledigt. Bis Santiago ist noch weit…..
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. Hermann HesseDSC_0003 Kopie DSC_0005 Kopie DSC_0007 Kopie DSC_0008 Kopie 2 DSC_0009 Kopie DSC_0010 Kopie DSC_0011 Kopie DSC_0018 Kopie DSC_0019 Kopie DSC_0028 Kopie DSC_0031 Kopie DSC_0032 Kopie DSC_0034 Kopie DSC_0037 Kopie DSC_0038 Kopie DSC_0039 Kopie DSC_0040 Kopie DSC_0041 Kopie DSC_0042 Kopie DSC_0044 Kopie DSC_0046 Kopie DSC_0049 Kopie DSC_0052 Kopie DSC_0053 Kopie DSC_0055 Kopie DSC_0057 Kopie DSC_0059 Kopie DSC_0061 Kopie DSC_0064 Kopie DSC_0068 Kopie DSC_0070 Kopie DSC_0073 Kopie DSC_0074 Kopie DSC_0076 Kopie

Letzte Vorbereitungen

30.Aug.2015

Dreysse_IMG_0080 KopieAm Mittwoch geht es endlich los. Bis dahin sind noch einige Dinge vorzubereiten. Letzte Sachen einpacken, Kameras aktivieren, Wundsalbe einkaufen.. . Ist an alles gedacht?  Den Weg auf der Karte zum 100. Mal studieren. Es geht über die Berge – mir wird schlecht!